Der Verlorene (Hans-Ulrich Treichel)

Inhaltsangabe

„Der Verlorene“ von Hans-Ulrich Treichel handelt von der verzweifelten Suche nach einem verlorenen Kind in den 1950er Jahren. Die Geschichte wird aus der Sicht des kleinen Bruders erzählt. Die Erzählung beginnt mit dem Foto von Arnold im Fotoalbum der Familie. Der Ich-Erzähler denkt, dass Arnold auf der Flucht vor den Russen verhungert ist. Bis ihn die Mutter schließlich um eine „Aussprache“ bittet. Sie erzählt, dass der Bruder nicht tot ist, sondern auf der Flucht verlorengegangen ist, da sie ihn abgeben musste, als Russen vor ihr standen und ihr „etwas Schreckliches“ passierte.
Auf Grund dieser Tatsache ist die Mutter immer traurig und auch der Ich-Erzähler spürt die bedrückte Stimmung, die zu Hause vorherrscht. Er steht immer im Hintergrund, fühlt sich schuldig und schämt sich.

Der Vater, der ein angesehener Fleischgroßhändler ist, bringt zweimal im Jahr einen Schweinekopf mit nach Hause. Zu diesem Anlass werden immer Gäste eingeladen, doch auch diese spüren die gedrückte Stimmung während des Festessens, die die Mutter nie loslässt.
Eines Tages bricht die Mutter zusammen und wird in eine Kur geschickt. In dieser Zeit sucht der Vater das Gespräch mit dem kleinen Bruder und erklärt, dass die Eltern nach Arnold suchen und das rote Kreuz einen Jungen gefunden hat, der Arnold sein könnte. Er wurde, genau wie auch Arnold, auf der Flucht am 20.1.1945 einer fremden Frau übergeben, bevor die Russen die Mutter vermutlich vergewaltigen. Um eine Verwandtschaft des Findelkindes 2307 und der Familie zu belegen seien jedoch einige Untersuchungen notwendig.
Daraufhin verzieht sich das Gesicht des Ich-Erzählers zu einem schmerzhaften Grinsen und der Arzt diagnostiziert eine Trigeminusneuralgie mit unbekannter Ursache. Der Erzähler ist sich aber sicher, dass dieses Leiden etwas mit seinem Bruder zu tun hat.

Zuerst werden die Fingerabdrücke der Familie mit denen des Findelkindes verglichen. Dabei ist die Verwandtschaft mit dem Findelkind wenig wahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
Die Eltern fordern daraufhin ein anthropologisch-erbbiologisches Abstammungsgutachten. Da das Jugendamt gegen ein solches Gutachten ist, wird zunächst ein Fotovergleich durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Elternschaft in hohem Maße unwahrscheinlich ist.
Der Vater schaltet einen Rechtsanwalt ein, der das anthropologisch-erbbiologische Abstammungsgutachten erkämpft. So fährt die Familie nach Heidelberg in die Gerichtsanthropologie, um sich von Professor Liebstedt untersuchen zu lassen. Das ist die erste Reise, die die Familie unternimmt. Der Ich-Erzähler muss hier einige unangenehme Untersuchungen über sich ergehen lassen. Am Ende des Besuchs, sagt Professor Liebstedt, dass das Ergebnis unentschieden ist und man die restlichen Untersuchungsergebnisse noch abwarten müsse.

Auf der Rückreise ärgert sich der Vater so sehr, dass er Schmerzen in der Brust bekommt. Als der Polizist Herr Rudolph ihm dann sagt, dass in sein Kühlhaus eingebrochen wurde, bricht er erneut zusammen. Nach diesen Herzinfarkten stirbt der Vater im Krankenhaus.
Von jetzt an übernimmt die Mutter die Geschäfte und Herr Rudolph steht der Familie helfend zur Seite. Er fordert auch die Ergebnisse der anthropologischen Untersuchungen an. Professor Liebstedt hält hier fest, dass die Eltern mit einer Wahrscheinlichkeit von 99.73% nicht die Eltern des Findelkindes 2307 sind.

Die Mutter will ihr Kind allerdings nicht aufgeben und das Findelkind adoptieren. Das geht aber nicht, da es schon von einer anderen Familie adoptiert ist. Auf dienstlichem Wege kann Herr Rudolph aber den aktuellen Wohnort des Findelkindes, dass Heinrich heißt, herausfinden, wo es eine Lehre in einer Fleischerei absolviert. Gemeinsam macht sich die Familie auf den Weg dorthin, um sich das Findelkind anzuschauen. Dabei fällt auf, dass es genau wie der Ich-Erzähler aussieht. Die Mutter schließt das Fenster des Wagens und sagt: „Wir fahren.“

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