Nathan und seine Kinder (Mirjam Pressler)

Der historische Jugendroman „Nathan und seine Kinder“ wurde von der bereits mehrfach ausgezeichneten Schriftstellerin Mirjam Pressler im Jahr 2009 veröffentlicht. Im selben Jahr wurde der Roman mit dem Internationalen Buchpreis Corine als bestes Kinder- und Jugendbuch ausgezeichnet.

Mirjam Pressler, welche am 18.06.1940 in Darmstadt als nicht eheliches Kind einer jüdischen Mutter geboren und in einer Pflegefamilie sowie in einem Heim aufwuchs, schrieb bis zu ihrem Tod im Jahr 2019 insgesamt 40 Kinder- und Jugendbücher. Sie zählt zu den erfolgreichsten Autoren deutscher Kinder- und Jugendliteratur und wurde mehrfach mit Preisen und Auszeichnungen geehrt. In ihren Romanen stellt sie schwierige Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen aus der Vergangenheit und Gegenwart in den Mittelpunkt der Handlungen. Ihre Romane richten sich an die die junge Leserschaft, so auch ihr Roman „Nathan und seine Kinder“.

Ziel des Romans ist es, das schwer begreifliche Theaterstück „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing jungen Menschen verständlicher näherzubringen und auf ihre Fragen nach der Identitätsfindung einzugehen sowie den Blick für mehr Toleranz und Respekt zwischen den verschiedenen Religionen zu schärfen. Der Roman erzählt in 18 Kapiteln die Geschichte vom jüdischen Kaufmann Nathan und dessen Ziehtochter Recha. Die Handlung spielt in Jerusalem kurz nach dem dritten Kreuzzug im Jahre 1192. Zentrales Element des Jugendromans ist die bereits in Lessings Drama verankerte sogenannte „Ringparabel“. Die 18 Kapitel sind mit den Namen von acht Romanfiguren betitelt, welche die Geschehnisse und auch Erinnerungen jeweils aus deren Perspektive darstellen. Durch die detaillierte bildhafte Erzählweise werden historische Hintergründe und Fakten stärker erklärt.

Ausgangspunkt des Romans ist ein Brand im Haus von Nathan, während er selbst geschäftlich in Damaskus weilt. In dem brennenden Gebäude befindet sich Recha, welche zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, dass sie nicht Nathans leibliche Tochter ist. Der ebenfalls nach einem Brand behinderte Junge Geschem kann selbst nichts tun, sieht aber wie ein unbekannter Tempelritter Recha rettet. Im Laufe der nächsten Kapitel erinnern sich Daja, die Gesellschafterin und Erzieherin von Recha, wie sie nach Jerusalem gekommen ist, und Elijahu, Nathans Freund und Gehilfe, wie Nathan schon einmal bei einem Brand vor 17 Jahren seine Frau und seine sieben Söhne verloren hat und Recha als Waisenkind von Nathan aufgenommen wurde.

Im Laufe der Erzählung trifft Nathan den Tempelritter und bedankt sich auf Knien für die Rettung von Recha. Der Tempelritter weist ihn aber barsch zurück und beleidigt ihn antisemitisch. Nachdem daraufhin Daja den Tempelritter an die christlichen Werte erinnert hatte, nimmt er schuldbewusst die Einladung zu einem gemeinsamen Abendessen von Nathan an. Während des Abendmahls unterhalten sich die beiden Männer ausgiebig über ihre Vorstellungen von einer besseren Welt und werden nach dem Gespräch Freunde.

Recha und der Tempelritter verlieben sich ineinander, wissen aber beide, dass ihre Liebe als Jüdin und Christ keine Zukunft hat. Durch Daja erfahren der Tempelritter und auch Recha, dass sie eigentlich auch Christin ist und von Nathan als Ziehtochter aufgenommen wurde. Der Tempelritter sucht Rat beim Patriarchen von Jerusalem, merkt aber gleich, dass dies ein Fehler war.

Bei einem Treffen zwischen dem Sultan und Nathan, wo eigentlich Nathan dem Sultan ein Darlehen gewähren soll, wird dieser mit der Frage konfrontiert, welches die wahre Religion sei. Als Antwort erzählt Nathan die Ringparabel, in dessen Ergebnis alle Religion gleichwertig der Liebe zu Gott und den Menschen verpflichtet seien. Daraufhin schließen Nathan und der Sultan Freundschaft. Kurz danach wird Nathan ermordet. Als Täter kommen sowohl radikale Moslems als auch christliche Anhänger des Patriarchen infrage. Recha, welche sehr um ihren Ziehvater trauert, verzichtet trotzdem auf die Aufklärung des Mordes und auf Rache. Stattdessen will sie das Andenken ihres Ziehvaters bewahren und findet Worte der Versöhnung.


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