Herzsteine (Hanna Jansen)

Aus der Metropole Hamburg zieht der Teenager Sam mit seinen Eltern ausgerechnet auf eine Insel: Sylt! Der Grund dafür ist Sams Mutter. Seit einiger Zeit ist sie immer öfter niedergeschlagen und wirkt abwesend, so, als sei sie nicht mehr richtig in dieser Welt. Die Familie hofft sie durch den Umzug wieder auf bessere Gedanken bringen zu können, und hat somit entschieden dem Trubel der Großstadt für ein Jahr zu entfliehen.
Leider misslingt dieser Versuch, denn Sams Mutter Fe birgt ein schreckliches Geheimnis in sich, von dem Sam bislang nichts ahnt. Er weiß nur, dass seine Mutter aus Ruanda stammt, und vor 17 Jahren von dort nach Deutschland geflohen ist. Über die Zeit vor der Flucht schweigt Sams Mutter beharrlich.

Eines Tages verschwindet Fe plötzlich, wird aber aber nach kurzer Zeit zurück gebracht. Sie war bei der Mutter von Sams Freundin Enna. Genau wie Sam ist Enna auf Sylt eine Außenseiterin. Ennas Mutter ist Heilerin. Was genau das sein soll interessiert auf der Insel niemanden so richtig. Schon gar nicht Sams und Ennas Mitschüler. Diese beäugen Ennas Mutter jedoch mit Argwohn, denn wer anders ist, ist für sie obskur und damit auch ein wenig gefährlich. Enna ist schön lange dem Spott der anderen ausgeliefert und hat trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, ein großes Selbstbewußtsein entwickelt. Das zieht Sam unglaublich an. Er und Enna kommen sich schon bald näher. Auch mit Ennas Mutter freundet er sich an. Sams Mutter Fe hat so viel mit sich selbst zu tun, dass er sich oft von ihr vernachlässigt fühlt. Ennas Mutter gibt ihm die Geborgenheit, die ihm fehlt. Und auch Fe hatte anscheinend ein ganz besonderes Erlebnis mit Ennas Mutter, denn nachdem sie nach ihrem Verschwinden von ihr zurück gebracht wurde, beschließt sie in ihre Heimat Ruanda zu reisen.

Sam und sein Vater sind von diesem Entschluss zunächst völlig überrumpelt und die Fragenzeichen in ihnen werden immer mehr. Warum ist Fe schon so lange so niedergeschlagen? Hat es vielleicht etwas mit ihrer Vergangenheit in Ruanda zu tun? Warum spricht sie nicht über ihre Probleme? Und überhaupt: warum war sie verschwunden? Und was hat sie eigentlich mit Ennas Mutter besprochen als sie weg war? Irgendwie scheint alles zusammenzuhängen.

Schließlich reist Fe alleine nach Ruanda. Ihre Familie möchte sie nicht mitnehmen. Ein halbes Jahr später lässt sie sich aber doch dazu überreden, dass Sam und sein Vater sie zumindest dort besuchen dürfen. Allerdings müssen die beiden ins Hotel, während Fe bei einer alten Freundin ihrer Mutter in Kigali lebt und dort Waisenkinder unterrichtet. Auf Sam wirkt sie nun fremd, wie ausgewechselt. Ihr neues zu Hause hat keinerlei Komfort, die Mutter ist aber trotzdem nicht mehr traurig, sondern plötzlich selbstbewusst. Und während er so oft ihre Aufmerksamkeit und Zuneigung vermisste, kümmert sie sich nun um fremde Kinder. Sam kann das alles noch immer nicht verstehen.

Doch dann lüftet sich Fes Geheimnis. Als Sam die Massengräber der Opfer des Völkermordes in Ruanda besucht wird im klar: Fe hat das alles erlebt, sie hat einen Genozid erlebt! Eine Million Menschen kamen damals um. Auch die Familie seiner Mutter ist unter den Opfern, Fe aber hat überlebt. Langsam kann sie über ihre Erlebnisse mit ihrem Sohn sprechen und Sam wird klar, dass seine Mutter traumatisiert ist. Dazu kommt, dass sie mit schweren Schuldgefühlen zu kämpfen hat, denn schließlich ist sie nach Europa geflohen, und hat so überlebt. Es fühlt sich für sie an, als hätte sie damit ihre Familie im Stich gelassen, denn am Ende wurden die Zurückgebliebenen umgebracht.

Am Ende bleibt Fe in Ruanda, sie muss dort noch ihre Vergangenheit aufarbeiten. Sam aber kehrt zurück nach Sylt, und zu Enna.


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