Blackbird (Matthias Brandt)

Liebe, Tod und Freundschaft

Manche Themen sind unerschöpflich. Liebe, Tod und Freundschaft gehören dazu. “Blackbird” von Matthias Brand ist ein Roman, der genau diese Themen auf eine ganz individuelle und spannende Weise aufnimmt. Hauptfigur ist ein sechzehnjähriger Schüler namens Morten, der im Sommer 1977 mit genau diesem Dreiklang konfrontiert wird: Liebe, Tod und Freundschaft. Am Ende des Jahres – so viel darf verraten werden! – hat Morten einen großen Schritt in Richtung “Erwachsenwerden” getan! Morten geht in ein Gymnasium. Einige seiner Lehrer haben ihre seltsamen Eigenarten, aber damit würde Morten gut zurecht kommen. Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass seine Eltern mitten im Scheidungsprozess stecken. Aber auch das ließe sich wohl verkraften. Das passiert schließlich vielen Kindern und Jugendlichen. Aber die Liebe! Morten verliebt sich unsterblich in eine ungefähr gleichaltrige Schülerin des anderen Gymnasiums. (Mortens Heimatstadt besitzt zwei Gymnasien – und ist dennoch recht provinziell!) Und dann der Tod! Mortens bester Freund wird schwer krank. Morten ist erschüttert. Sein Freund überlebt die Krankheit nicht. Obwohl der Tod in diesem Roman eine wichtige Rolle spielt, sorgt der versierte Autor Matthias Brandt dafür, dass auch der Humor nicht zu kurz kommt. Wird es ein Happy End geben? Leben Sie selbst! Noch eine Bemerkung zum Titel des Buches: “Blackbird” bedeutet ja “Amsel”. Es geht aber in dem Titel nicht um das Tier, sondern um eine Weinsorte: Amselfelder! (Sie sehen: Für Humor ist gesorgt!)

1977 – ein dramatisches Jahr

Wer es selbst miterlebt hat, wird es nie vergessen, und wer damals noch nicht gelebt hat, hat es von Eltern und Großeltern erzählt bekommen: 1977 war das Jahr des “Deutschen Herbstes”, in dem die Terroristen der RAF grauenhafte Taten begingen. Willy Brandt war damals nicht mehr Bundeskanzler, Helmut Schmidt hatte bereits seine Nachfolge angetreten. Aber sicherlich haben Willy Brandt und seine Angehörigen dieses Jahr mit seinen Schrecken intensiv miterlebt. Der jüngste Sohn von Willy Brandt, Matthias Brandt, Jahrgang 1961, war damals 16 Jahre alt.

Matthias Brandt ist ein populärer Schauspieler geworden, hat beispielsweise in vielen Folgen der Krimiserie “Polzeiruf 110” mitgewirkt. Zudem ist seine Stimme vielen Hörbuchfans bekannt, denn er hat Dutzende von Hörbüchern eingelesen. Im Jahr 2016 hat Matthias Brandt sein erstes Buch herausgegeben, eine Sammlung von Erzählungen unter dem Titel “Raumpatrouille”. Und 2019 ist nun sein erster Roman erschienen: “Blackbird”. Dieser Roman spielt – wie könnte es anders sein? – im Jahr 1977, und Hauptfigur ist ein 16-jähriger Junge namens Morten. Dieser Junge erlebt auf seinem Weg zum Erwachsenwerden Dramatisches, Schönes, Trauriges. Der Autor stellt die manchmal erschütternden, manchmal komischen Episoden in diesem entscheidenden Lebensjahr der Hauptfigur außerordentlich intensiv und auch humorvoll dar. Morten verliebt sich zum ersten Mal in seinem Leben, und zwar in eine Schülerin, die für ihn – zunächst – unerreichbar zu sein scheint. Und er wird sogar mit dem Tod konfrontiert. Sein bester Freund stirbt nach kurzem Klinikaufenthalt an einer tückischen Krankheit. Morten konnte seinen Freund zwar noch einige Male im Krankenhaus besuchen, aber er denkt später darüber nach, ob er sich nicht mehr um ihn hätte kümmern sollen. Ja, gerade das gehört zum Erwachsenwerden: Fehler einzugestehen, sich vorzunehmen, es in Zukunft besser zu machen. Und die schönen Erlebnisse kommen trotzdem in diesem dramatischen Sommer nicht zu kurz. Morten verbringt schöne Ferientage im Freibad. Und er ist schon erwachsen genug, um mal ein bisschen Wein zu trinken: Amselfelder, den Wein, dem der Roman seinen Titel verdankt. Amsel heißt ja, wie Morten im Englischunterricht gelernt hat: “Blackbird”.

“Blackbird”, das Romandebüt von Matthias Brandt, ist allen Literaturfans zu empfehlen, die sich gern in ihrer Fantasie in eine frühere Epoche versetzen lassen möchten und die gerne in die Welt eines Teenagers eintauchen!


Lektürehilfen zu Blackbird von Matthias Brandt