Der goldne Topf (E.T.A. Hoffmann)

Autorenvorstellung E.T.A. Hoffmann

E.T.A. Hoffmann wurde am 24. Januar 1776 in Königsberg/Ostpreußen geboren und starb am 25. Juni 1822 in Berlin. Er war ein Schriftsteller der Epoche der Romantik und ist vor allem für seine seinen Erzählzyklus “Nachtstücke” bekannt, in welchen er sich der dunklen Seite des Lebens zuwendet. Die Figuren in seinen Werken werden durch scheinbar bedrohliche und dämonische Mächte in Verzweiflung geführt, einige von ihnen werden wahnsinnig und können Realität von Wahn nicht mehr unterscheiden.

Hoffmanns Leben

Ernst Theodor Amadeus Hoffman wurde am 24. Januar 1776 in Königsberg in Ostpreußen (heute Kaliningrad und ein Teil von Russland) als drittes Kind des Rechtsanwalts Christoph Ludwig Hoffmann (1736 – 1797) geboren, der sich zwei Jahre später von seiner Frau Lovisa Albertina (1748 – 1796) scheiden ließ. Zu diesem Zeitpunkt hieß Ernst Theodor Amadeus allerdings noch Ernst Theodor Wilhelm: Seinen Namen änderte er im Alter von 29 Jahren zu Ehren des 14 Jahre zuvor verstorbenen Wolfgang Amadeus Mozart, den er sehr bewunderte. Er interessierte sich früh für Malerei und Musik, studierte aber Jura Königsberg, um in die Fußstapfen seines Vaters treten zu können. E.T.A. Hoffmanns Liebesleben war ein ständiges Auf und Ab. Während seines Studiums verliebte er sich in die neun Jahre ältere, unglücklich verheiratete Dora Hatt, mit der er eine Affäre begann und die in dieser Zeit ihr sechstes Kind gebar. Nach dem Staatsexamen und der Aufnahme in den Staatsdienst verlobte er sich mit seiner Cousine Minna Dörffer. Die Verlobung wurde allerdings vier Jahre später gelöst, damit Hoffmann am 26. Juli 1802 Maria Thekla Michalina Rorer-Trzynska heiraten konnte, eine Polin aus einfachen Verhältnissen, die er in Posen kennen gelernt hatte. Zwei Jahre später wurde er zum Regierungsrat ernannt. Hoffmann hoffte, in eine westliche Stadt versetzt zu werden. Dieser Wunsch wurde ihm nicht erfüllt, er kam in die 3000-Einwohner-Stadt Plock. Aus dieser Zeit sind Tagebucheinträge erhalten, die Hoffmanns Unzufriedenheit widerspiegeln. Als die Franzosen 1806 in Preußen einmarschierten, verlor Hoffmann im Zuge dessen seine Stelle und musste sich von da an mit verschiedenen Jobs über Wasser halten. In dieser Zeit arbeitete er unter anderem als Musikdirektor in Bamberg oder als Dirigent in Dresden und Leipzig. In Bamberg verliebte sich der damals vierunddreißigjährige in die dreizehnjährige Gesangsschülerin Julia Mark. Diese wurde jedoch zwei Jahre später, 1812, anderweitig verheiratet.
1816, zwei Jahre, nachdem Hoffmann in den preußischen Staatsdienst zurückgekehrt war, wurde er zum Kammergerichtsrat ernannt, wenige Jahre später, 1819, wurde er in die „Immediat-Untersuchungskommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe“ berufen. Er konnte zwar dem Gedankengut der Burschenschaftler und Turnerbünde nichts abgewinnen, erledigte seine Aufgaben aber pflichtbewusst. Seine liberale Gesinnung macht ihn aber verdächtig und als er sich in der Märchenerzählung „Meister Floh“ über den Polizeidirektor Carl Albert von Kamptz lustig machte, wurde ein Disziplinarverfahren eröffnet und das Werk zensiert.
Hoffmann, der schon seit 1818 immer wieder mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt hatte, erkrankte an einer zunehmenden Lähmung, deren Ursache bis heute nicht ganz geklärt ist. Mögliche Auslöser sind Syphilis und ALS (amyotrophe Lateralsklerose). Am 25. Juni 1822 starb Hoffmann im Alter von 46 Jahren an den Folgen einer Atemlähmung in seiner Wohnung in Berlin. Er liegt auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche in Berlin begraben.

Hoffmanns Schaffen und seine Werke

E.T.A. Hoffmann war nicht nur Dichter, sondern auch Komponist, Musikkritiker, Karikaturist, Maler und Zeichner. Sein Schaffen fand während der Hochromantik statt, allerdings interessierte er sich besonders für Geisteskrankheiten und Schauerromane und viele Seiner Werke sind der sogenannten “Schwarzen Romantik” zuzuordnen, weshalb er als auch “Gespenster-Hoffmann” bekannt ist. Charakteristisch für die Schwarze Romantik ist die Faszination des Bösen und der dunklen Seite des Lebens, sie betont besonders die irrationalen und melancholischen Züge des Menschen. In Hoffmanns Werken aus dieser Zeit steht häufig das Verschwimmen der Grenzen zwischen Realität und Wahn im Zentrum, bei dem seine Figuren selbst nicht erkennen, wo sie sich befinden. Einige seiner Figuren können sich retten, beispielsweise der Protagonist Theodor in “Das öde Haus”. Dieser merkt selbst, dass etwas nicht stimmt und sucht einen Arzt auf, der ihm den Spiegel, der seine Sicht verzerrt hatte, wegnimmt. Anders ergeht es zum Beispiel Nathanael in “Der Sandmann”. Er verliert durch ein Trauma und durch die Verzerrung seiner Sichtweise durch ein Perspektiv (eine Art Taschenfernrohr) völlig den Bezug zur Realität. Auch scheinbare Besserung hält nur kurz an und am Ende begeht Nathanael im Zuge eines Anfalls von Wahnsinn Selbstmord, indem er von einem Turm springt. In beiden Werken kommt zudem das für Hoffmann typische Augenmotiv vor.
Besonders extrem ist die zuvor erwähnte Hinwendung zum Unheimlichen und Dämonischen in Hoffmanns Erzählzyklus “Nachtstücke”zu sehen. Dazu gehört auch das gerade erwähnte und wohl berühmteste seiner Werke: “Der Sandmann”. Aber auch Stücke wie “Das öde Hause”, “Der Sanctus” oder “Das steinernde Herz” sind Teil der “Nachtstücke”. Weitere berühmte literarische Werke sind zum Beispiel “Die Elixiere des Teufels”, “Der goldene Topf”, “Lebensansichten des Kater Murr”, “Das Fräulein von Scuderi” und “Meister Floh”, das ihm ein disziplinarisches Verfahren einbrachte.
Neben seinen literarischen Tätigkeiten hat Hoffmann auch eine Reihe an musikalischen Werken verfasst, darunter sowohl Instrumental- als auch Vokalmusik und Opern.

Adaptionen durch andere Künstler

E.T.A. Hoffmann inspirierte durch sein Leben und seine Werke einige andere Künstler. Pjotr Tschaikowski verwendete Hoffmanns Werk “Nußknacker und Mausekönig” als Grundlage für sein weltberühmtes Ballett “Der Nussknacker”. Léo Delibes komponierte nach der Erzählung “Der Sandmann” das Ballett “Coppélia”. Jacques Offenbach komponierte über Hoffmann die Oper “Hoffmanns Erzählungen”, in der hauptsächlich die drei Erzählungen “Der Sandmann”, “Rat Krespel” und “Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild” aufgegriffen werden. Auch in moderneren Zeiten inspiriert Hoffmann noch, Peter Härtling schrieb 2001 “Hoffmann oder Die vielfältige Liebe”, das sich mit dem Aufenthalt Hoffmanns in Bamberg 1808-1813 beschäftigt, in dem er sich unter anderem in die junge Gesangsschülerin Julia Mark verliebte.

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