Die Verwandlung (Franz Kafka)

Personenbeschreibung

In der Erzählung die “Verwandlung” geht es im wesentlichen um die Verwandlung des Protagonisten Gregor Samsa, der als Vertreter der finanzielle Hauptversorger für seine Familie darstellt. Eines Tages wird allerdings aus unerklärlichen Gründen aus dem Vertreter Gregor Samsa ein großer Käfer. Zuerst werden seine Gliedmaßen, sei ganzer Körper und am Ende seiner Verwandlung auch seine psychischen Fähigkeiten denen eines Käfers angepasst. Seine Familie, für die er immer da gewesen ist, sieht ihn nur noch als Ungeziefer an und sperrt ihn weg, sodass er am Ende in Einsamkeit stirbt.
In dieser Erzählung spielen vor allem die Familienmitglieder rund um Gregor Samsa eine entscheidende Rolle:

1. Der Vater von Gregor Samsa

Er ist ungefähr auf 40 bis 50 Jahre zu schätzen. Er war vor seiner Erwerbslosigkeit als selbstständiger Tuchhändler unterwegs, der quer durch die Lande reiste. Allerdings ging er mit diesem Geschäft finanziell zu Grunde, sodass er finanziell von seinem Sohn abhängig wurde, der er auch unter einigen körperlichen Gebrechen zu leiden schien, die eine Teilnahme am Erwerbsleben nach seinen Aussagen für ihn unmöglich machten. Er hatte viele Schulden angesammelt, sodass seine körperlichen Leiden wahrscheinlich nur als eine Ausreden anzusehen sind. Der Vater bleibt trotz, dass er nicht mehr der finanzielle Versorger der Familie ist das Oberhaupt, das die Fäden in den Händen hält, dies gilt auch für die finanziellen Angelegenheiten. Er lässt Gregor fleißig Arbeiten, vor allem auch, damit die Schulden des Vaters abgetragen werden können. Dieser nimmt die Mühen von Gregor allerdings nicht sehr ernst, denn er investiert das Geld von Gregor, anstatt dass er es konsequent für die Abtragung der Schulden nutzt, sodass es ihm eigentlich egal ist, wie lange Gregor sich abmühen muss. Dieses zeigt, wie egoistisch der Vater handelt und wie gleichgültig ihm Gregor ist, denn er weiß ganz genau, dass Gregor seinen Job nicht mag. Er kann sich aber keinen anderen suchen, da er sonst unter Umständen finanziell schlechter gestellt werden würde.
Während der Verwandlungsphase von Gregor ist der Vater sehr respektlos gegenüber seinem Sohn und tritt zu Hause sehr herrisch auf. Er sorgt auch dafür, dass sein Sohn der Käfer weggesperrt bleibt. Außerdem scheint er plötzlich wieder gesund und kann auch wieder finanziell für seine Familie sorgen. Er geht einer Arbeit nach und im Haushalt trägt er außerdem eine Uniform, die seine Rolle als Herrscher der Familie noch unterstreicht. Gegenüber dem Käfer Gregor ist der Vater sehr brutal und fügt ihm schmerzliche Tritte zu, damit er nicht aus seinem Zimmer kommt. Insgesamt ist Gregor in seiner verwandelten Rolle für den Vater sehr unbedeutend geworden, sodass er sehr gemein und verletzend zu seinem Sohn ist. Sein Sohn ist ihm in seinem verwandeltem Zustand sehr peinlich und muss daher unbedingt hinter verschlossenen Türen bleiben, vor allem als die Prokuristen auftauchen.
Am Ende ist es auch der Vater, der für den Tod des Käfers Gregor sorgt. Er bewirft seinen Sohn mit einem Apfel, der sich in den Panzer des Käferrückens bohrt und dort vor sich hin fault, bis es schließlich zum Tode von Gregor Samsa kommt. Der Vater bleibt für den Leser der Erzählung eine namenlose Figur, sodass er insgesamt sehr distanziert, herrisch, aggressiv, gefühllos und kalt wirkt.

2. Die Mutter von Gregor Samsa

Die Mutter erscheint dem Leser als eine sehr schwache Persönlichkeit, die völlig vom Vater abhängig ist und sich auch überhaupt nicht gegen diesen Durchsetzen kann. Sie versucht zwar immer wieder, sich für ihren Sohn stark zu machen, doch dieses geschieht nur sehr zaghaft und hat daher gerade beim Vater auch keinen Erfolg. Man bekommt den Eindruck, dass sie sich zwar für ihren Sohn interessiert, aber dennoch handelt es sich dabei nicht um wirkliches Interesse. Es ist anzunehmen, dass dieses auch bereits vor seiner Verwandlung so war und dass die Mutter keine Ahnung davon hatte, was die Sorgen, Ängste und Probleme ihres Sohnes gewesen sind. Bei jedem Aufeinandertreffen zwischen Gregor dem Käfer und seiner Mutter fällt diese in Ohnmacht, sodass zwischen den beiden keine wirklichen Gespräche stattfinden können und die Mutter für ihren Sohn in Käfergestalt keinen Schutz bieten kann. Diese Ohnmacht ist als Symbol für die Machtlosigkeit und den mangelnden Einfluss der Mutter zu verstehen. Nach dem Tod von Gregor verändert sich auch die Mutter, denn sie schafft es, dass sie sich gegenüber ihrer Tochter wieder als eine richtige Mutter darstellen kann.

3. Die Schwester von Gregor Samsa

Die Schwester, Grete ist 17 Jahre alt, liebt das Spiel auf der Violine und gilt als Sonnenschein der Familie, sodass sie von allen Familienmitgliedern sehr verwöhnt wird und ebenfalls keinerlei beruflichen Betätigung nachgehen muss. Sie ist es auch, die dafür sorgt, dass Gregor als Käfer mit Essen versorgt wird, obwohl sie sich auch sehr vor seinem Anblick ekelt und immer zusieht, dass sie das Zimmer so schnell wie möglich wieder verlassen kann. Dabei weiß man allerdings als Leser auch nicht genau, ob sie so fürsorglich ihrem Bruder gegenüber ist, oder ob sie vielmehr die Sehnsucht nach ihrem alten, sorgenfreiem Leben antreibt, als Gregor ihr finanzielle Unabhängigkeit bescherte.
Insgesamt bekommt sie durch die Verwandlung ihres Bruders mehr Verantwortung innerhalb der Familie, da sie die Versorgungstätigkeiten von Gregor übernimmt und sie zudem eine Abhängigkeit für die Eltern schafft. Allerdings ist sie es auch, die dafür sorgt, dass alle Möbel aus dem Zimmer von Gregor entfernt werden, da sie die Auffassung vertritt, dass er diese in seiner Verfassung nicht mehr benötige. Dieses führt dazu, dass Gregor immer weiter in die Rolle des familiären Ungeziefers gedrängt wird. Auch sie gewinnt durch die Verwandlung ihres Bruders an größere Selbstständigkeit und schlüpft aus ihrer Rolle als Kind und Tochter heraus. Sie nimmt eine Anstellung als Verkäuferin an und erlernt Stenographie und Französisch, sodass sie Aussichten auf ein gutes berufliches Einkommen erlangt.
Zum Ende der Erzählung wandelt sich die Fürsorglichkeit von Grete gegenüber ihrem Bruder Gregor. Sie sagt als erste nämlich ganz deutlich, dass der Käfer unbedingt verschwinden muss, damit die Familie wieder glücklich sein kann. Sie kann ihren Bruder auch nicht mehr beim Namen nennen, sodass sie für ihn immer nur den Ausdruck “es” verwendet.
Den Eltern fällt zudem auch auf, dass ihre Tochter nicht mehr nur das kleine Nesthäkchen ist, sondern vielmehr eine junge Frau im heiratsfähigen Alter. Sie hoffen darauf, dass sie bald den passenden Partner nach Hause bringt, im Gegensatz zu ihrem Bruder.

4. Gregor Samsa – Die tragische Hauptfigur der Erzählung

Er ist ungefähr zwischen 20 und 30 Jahre alt und arbeitet als fahrender Tuchhändler. Diese Tätigkeit findet er nicht wirklich sehr interessant und ansprechend, da er seinen Chef nicht mag und den Kontakt zu den Kunden als distanziert und unangenehm empfindet. Die Arbeit ist füllt seinen kompletten Tag aus, sodass ihm kaum Zeit bleibt, um Freundschaften zu pflegen oder auch die Frau fürs Leben zu finden. Sein einziges Hobby sind kleinere Ausschneidearbeiten mit der Laubsäge. Er arbeitet trotz aller Probleme sehr vorbildlich und gewissenhaft, denn er ist immer pünktlich und fehlt so gut wie nie. Er nimmt es zudem einfach hin, dass er von seiner Familie ausgenutzt wird, da die anderen Familienmitglieder auch durchaus einen finanziellen Beitrag zur Familienkasse leisten könnten. Als Leser hat man daher schnell den Eindruck, dass Gregor naiv ist und zudem zu schwach zu sein scheint, sich gegen den Vater, der ein sehr tyrannisches Familienoberhaupt ist, durchzusetzen.
Generell nimmt Gregor die vielen Demütigen und auch die körperliche Gewalt von seinem Vater einfach so hin, die ihm in seiner Käfergestallt zugefügt werden, sodass man davon ausgehen kann, dass Gregor das in seinem Verhältnis zu seinem Vater nie anders kennengelernt hat. Bereist als Kind wird er begriffen haben, dass ein auflehnendes Verhalten gegenüber dem Vater nur noch zu mehr Gewalt führen würde.
In der Figur des Gregor Samsa hat Franz Kafka das sehr schlechte Verhältnis zu seinem Vater verarbeitet, denn auch dieses war von Demütigungen und Einmischungen in sein Leben und seine Berufswahl durch den Vater geprägt.
Der Tod des Käfers Gregor Samsa wird durch den Vater herbeigeführt. Er fügt seinem Sohn so schwere Verletzungen an seinem Panzer zu, dass er daran zugrunde geht. Dieses kann man auch als Sinnbild für die schweren Verletzungen der Seele verstehen, die ein Vater seinem Sohn zufügt, wenn er ihn permanent solch schweren psychischen Verstümmlungen wie Schläge, Tritte und auch verbalen Attacken aussetzt. Als dann noch das Abwenden der Schwester kommt, verliert Gregor Samsa seinen kompletten seelischen Halt und verstirbt daran.
Nachdem Tod des Käfers findet die Familie zur Normalität zurück. Sie unternimmt sogar schöne Ausflüge und alle fühlen sich wieder besser. Auch hier bei diesen letzten Passagen aus der Erzählung lassen sich unter Umständen Parallelen aus dem Leben von Kafka herstellen: Durch den Wegfall des Sohnes und des Bruders wird das Leben wieder leichter, sie können wieder ein Leben in geordneten Bahnen führen. Vermutlich hat Kafka sich in seiner Familie auch immer als Störenfried gesehen, als den nutzlosen Schriftsteller, der alle ins Unglück stürzt.

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