Schneeriese (Susan Kreller)

Kapitelübersicht

Kapitelübersicht / Inhaltsangabe

Einleitung

Das Buch “Schneeriese” handelt von Adrian Theiß, einem 14-jährigen Jungen, der in Stella verliebt ist, seine beste Freundin aus Kindertagen. Adrian durchlebt ein emotionales Trauma, als Stella sich mehr zu dem Sohn der georgischen Einwandererfamilie Bendeliani im Nachbarhaus hingezogen fühlt. Die Geschichte spielt vorwiegend im Winter und weist Parallelen zur Hans Christian Andersens Märchen “Die Schneekönigin” auf.

Kapitel 1

Die ersten Seiten des Buches beginnen mit der detaillierten, bildhaften Beschreibung eines Strandes und des Meeres. Die poetischen Worte entspringen der Gedankenwelt Adrians und erst am Ende des Kapitels wird offenkundig, auf was er eigentlich hinaus möchte: Er versucht anhand dieser stimmungsvollen Metapher die Augen von Stella zu beschreiben. Stella Maraun ist das Mädchen, das er liebt und um das sich alles in seinem Leben dreht.

Kapitel 2

Stella ruft Adrian mitten in der Nacht an und bittet ihn aufgeregt, zu ihr zu kommen. Adrian macht sich sogleich auf den Weg zu ihr ins Nachbarhaus. Schon jetzt wird ersichtlich, dass Adrian außergewöhnlich groß ist. Sein Schlafanzug ist ihm an Beinen und Armen viel zu kurz. Außerdem nennt Stella ihn “Einsneunzig”, was er ihr nicht verübelt. Ihm gefällt die Art, wie sie über seine auffallende Statur hinwegsieht.

Adrian findet Stella am Fenster ihres Zimmers vor, wo sie mit einem Fernglas das benachbarte “Dreitotenhaus” beobachtet, ein unansehnliches, seit langem unbewohntes Gebäude. Es wird so genannt, weil darin schon drei Personen zu Tode gekommen sind – durch Krankheit und Unfälle. Die Anwohner vermeiden es, daran vorbeizugehen, fürchten sich vor dem Haus. Doch jetzt ist gerade eine Familie im Begriff, genau dort einzuziehen. Die Kinder sehen, wie die Neuankömmlinge einen scheinbar leblosen Körper auf einer Bahre ins Innere des Hauses tragen.

Kapitel 3

Eine Woche später sitzt Adrian in seinem Zimmer und geht seinem Hobby, dem Zeichnen, nach. Seine Mutter verwickelt ihn in ein Gespräch, möchte, dass er den Arzt aufsucht wegen seines unaufhaltsamen Wachstums. Aber Adrian möchte keine Hormonspritzen und versäumt absichtlich die Termine. Außerdem ist er im Moment mit ganz anderen Dingen beschäftigt: Die Ankunft der neuen Familie im Dreitotenhaus hat ihn neugierig gemacht. Doch Stellas Interesse scheint noch größer zu sein. Und sie schmiedet einen Plan.

Kapitel 4

Unter dem Vorwand, Salz und Zucker zu benötigen, klingeln Adrian und Stella am Dreitotenhaus. Ein ansehnlicher Junge namens Dato Bendeliani öffnet ihnen die Tür und bittet sie herein. Eigentlich hatten Adrian und Stella vorgehabt, die Situation auszunutzen und das Haus in einem unbemerkten Moment nach einer vermeintlichen Leiche abzusuchen. Doch nun sitzen sie mit Dato und seiner Mutter Tamar am Küchentisch und essen leckere traditionelle Speisen aus Georgien – dem Herkunftsland der Familie Bendeliani. Adrian wird das Gefühl nicht los, dass Stella schon nach diesem kurzen Aufeinandertreffen Gefallen an Dato gefunden hat.

Kapitel 5

Rückblende. Adrian und Stella lernten sich kennen, als Adrians Familie Stellas neue Nachbarn wurden. Die Kinder waren sogleich unzertrennlich, teilten jede freie Minute miteinander auf der Gartenschaukel auf der Terrasse. Aus Adrians freundschaftlichen Gefühlen für das aufgeweckte Mädchen wurde allmählich mehr. Doch nun, seit der Begegnung mit Dato, scheint alles anders zu sein. Stella meldet sich nicht mehr bei ihm. Er trifft sie zwar noch an der Bushaltestelle, aber wenn Stella spricht, dann dreht sich alles um die Bendelianis. In diesen Momenten ist Adrian genervt und wendet sich ab.

Kapitel 6

Adrian vermisst Stella mehr denn je. Eines Tages geht er unvermittelt zu ihr, um sie zu besuchen. Stellas Wiedersehensfreude hält sich in Grenzen. Sie habe keine Zeit gehabt, erklärt sie. Und auch jetzt müsse sie schon wieder los. Adrian erfährt, dass sie Dato treffen möchte. Der angebliche Fluch des Dreitotenhauses scheint ihr keine Angst mehr zu machen. Und die Tatsache, dass die Georgier darin womöglich eine Leiche verstecken, hat sie verdrängt. Es gibt Wichtigeres. Adrian besteht darauf, sie zu begleiten. Stella stimmt widerwillig zu.

Kapitel 7

Als die beiden beim Dreitotenhaus eintreffen und Tamar sie hereinlässt, kommt Adrian sich überflüssig vor. Stella und Dato unterhalten sich leise, während Datos fürsorgliche Mutter Adrian Fotos von ihrer Heimat zeigt. Adrian gibt sich interessiert und möchte doch am liebsten nur weinen vor Trauer und schreien vor Wut. Ja, verprügeln möchte er Dato. Doch stattdessen schlägt er mit Worten zu. Und so platzt er heraus mit der Geschichte vom angeblichen Fluch des Hauses, verrät, dass er und Stella insgeheim vermuteten, die Familie beherberge eine Leiche. Alle sind außer sich, auch Stella, und versuchen die peinliche Situation zu überspielen. Die Mutter begleitet Adrian schließlich hinaus, bittet ihn leise, ihrer Familie “das nicht anzutun.”

Kapitel 8

Adrian kauert in seinem Zimmer auf dem Fußboden und denkt mit Unbehagen an das, was im Haus der georgischen Familie vorgefallen war, denkt an seine zornige ungehaltene Reaktion, die ihm selbst fremd ist. Voller Trauer erinnert er sich an früher, als er und Stella noch jede freie Minute miteinander verbrachten. In einem Anfall von Wut zerreißt er einige Zeichnungen, die er im Laufe der Jahre von Stella angefertigt hat. Weinen will er auf keinen Fall.

Kapitel 9

Adrians Wut entlädt sich an seiner Mutter. Diese erwähnt unvorsichtigerweise, sie habe beobachtet, dass Tamar ihren Sohn Dato mit dem Auto von der Schule abholt – und da Stella auf dieselbe Schule geht, fährt sie gelegentlich mit. Diese Information deprimiert Adrian nur noch mehr.

Kapitel 10

Adrian sieht Stella mit Dato auf der Straße und als Stella ihn bemerkt, zeigen ihm ihre Blicke deutlich, dass sie ihm den Auftritt neulich im Haus der Bendelianis noch nicht verziehen hat. Stellas Großmutter Misses Elderly, die den beiden Kindern früher Märchen vorzulesen pflegte und zu der Adrian ein gutes Verhältnis hat, kommt ihn besuchen. Er reagiert nicht besonders freundlich. Dabei hat sie die vertrackte Situation erkannt, in der er sich befindet, und möchte ihm helfen.

Kapitel 11

Misses Elderly erzählt Adrian von einer eigenen einst unerfüllten Liebe und wie sie selbst damals mit ihren Gefühlen zurechtkommen musste. Durch die Dunkelheit zu gehen sei der einzige Weg, meint sie. Adrian läßt sich nicht trösten. Wie schon zuvor reagiert er verletzend und macht eine böse Bemerkung bezüglich Misses Elderlys damaliger Trauer über ihren eigenen Verlust.

Kapitel 12

Adrian verliert zunehmend den Halt. In der Schule läuft es nicht gut und er verbringt die meiste Zeit draußen, läuft endlose Stunden durch den Schnee, nur um von niemandem behelligt zu werden. Er erinnert sich an das Märchen, das Misses Elderly ihm und Stella früher vorgelesen hatte – die Schneekönigin. Und fast kommt es ihm so vor, als fühle er die gleiche Kälte wie die Kinder in der Geschichte. Er spürt die Kälte von Stellas Abwesenheit.

Kapitel 13

Es ist Heiligabend und die Verwandten kommen, aber Adrian ist alles andere als in Feierstimmung. Wie jedes Jahr schaut auch Stellas Familie an Weihnachten kurz vorbei. Aber diesmal ist Stella nicht mitgekommen, lässt sich entschuldigen, sie habe keine Zeit. Adrian flüchtet gramerfüllt in sein Zimmer.

Kapitel 14

In derselben Nacht beschließt Adrian plötzlich, Stella aufzusuchen. Zu seinem Entsetzen stellt er fest, dass die Hintertür ihres Hauses – die für Adrian stets geöffnet war – verriegelt ist. Er setzt sich auf die Hollywoodschaukel, die auf der Terrasse steht und die er so viele Male mit Stella geteilt hat. Die Kälte ergreift immer mehr Besitz von ihm. Er fürchtet, zu erfrieren. Und doch gelingt es ihm nicht, aufzustehen und wieder ins Warme zu gehen. Schließlich schläft er ein.

Kapitel 15

Adrian ist wieder im Haus. Sein Vater hat ihn draußen gefunden. Der Arzt wird gerufen. Die Eltern versuchen verzweifelt, ihn zu wärmen und verbringen die ganze Nacht an seinem Bett.

Kapitel 16

Adrian hat eine Lungenentzündung. Die Eltern und Misses Elderly versuchen, ihn zu trösten. Sogar Tamar, die georgische Mutter, bringt ihm Tee. Kurz vor Neujahr steht mit einem Mal auch Stella vor seiner Tür.

Kapitel 17

Die Konversation zwischen Adrian und Stella kommt nur schleppend in Gang. Adrian fragt Stella, weshalb sie die Hintertür verschlossen habe. Stella scheint unwissend und Adrian wird klar, dass man ihn wohl nicht absichtlich ausgesperrt hatte und dass es ein Versehen gewesen war. Zu seiner Verblüffung fängt Stella an zu weinen, scheint verzweifelt. Ihm wird bewusst, dass sie gar nicht versteht, warum er sich ihr gegenüber so verändert hat. Adrian vermutet, dass sie sich gar nicht darüber im Klaren ist, dass er sie liebt.

Kapitel 18

Adrian geht es allmählich besser. Er beginnt sogar wieder zu zeichnen. Er fühlt sich erstaunlich zuversichtlich und mutig und beschließt in seinem Überschwang zum Dreitotenhaus zu gehen, wo eine Familienfeier zugange ist. Viele fremdländisch anmutende Leute stehen am Hauseingang und als sie Adrian kommen sehen, bieten sie ihm an, doch einzutreten. Weil niemand der Umstehenden Notiz von ihm nimmt, läuft er unerkannt durch das Haus und entdeckt im ersten Stock einen Raum, in dem ein alter Mann in einem Krankenbett liegt. Zunächst denkt Adrian schockiert, dass es ein Leichnam sei – der Leichnam, den sie immer zu finden gehofft hatten. Aber der vermeintliche Tote lebt noch und sieht ihn an.

Kapitel 19

Tamar bemerkt, dass Adrian da ist. Energisch erklärt sie ihm, der alte Mann sei ihr Vater Waliko und dass dieser wohl nicht mehr lange leben würde. Sie erzählt ihm auch, dass sie aus Georgien flüchten mussten aufgrund der Gefahr, einer Blutrache zum Opfer zu fallen. Zunächst seien sie ohne ihren Vater nach Deutschland gekommen, aber gewisse Umstände hätten sie schließlich dazu gezwungen, ihn auch herzuholen – heimlich. Mit einem Mal wird Adrian klar, dass die Familie Angst hat, er könne ihr Geheimnis verraten. Das Gefühl von Macht, über das Schicksal jener verhassten Menschen zu bestimmen, empfindet er als verlockend. Wortlos verlässt er das Haus. Die anderen sind zutiefst verunsichert.

Kapitel 20

Adrian verrät die Familie nicht. Unterschwellig schämt er sich für sein Verhalten. Eines Tages besucht ihn Misses Elderly und erklärt, sie habe bei den Bendelianis ein gutes Wort für ihn eingelegt. Dennoch hätte er alle sehr verängstigt und solle zu ihnen gehen und sagen, dass es ihm leidtue.

Kapitel 21

Mitte Januar beschließt Adrian zögerlich, sich bei den Georgiern zu entschuldigen. Als er klingelt und man ihm öffnet, steht zu seiner Überraschung die ganze Familie an der Tür, als hätte sie ihn schon erwartet. Tamar begrüßt ihn freudestrahlend und erklärt, sie würden gerade das Neujahrsfest feiern – laut des georgischen orthodoxen Kalenders etwas später als andere Länder. Dazu gehöre das Warten auf den “Glücksboten” für das neue Jahr. Traditionsgemäß sei dies die erste Person, die nach der Silvesterfeier die Familie besuchen kommt: In diesem Falle ausgerechnet Adrian. Er bekommt ein Geschenk, wird zum Essen eingeladen. In einem unbeobachteten Moment möchte er sich fortschleichen, landet aber wieder im Krankenzimmer des alten Mannes, Tamars Vater Waliko, der noch immer in seinem Bett liegt. Adrian setzt sich zu ihm und beginnt plötzlich, sich alles von der Seele zu reden, obwohl der Alte ihn gar nicht versteht.

Kapitel 22

Und so erzählt Adrian, dass er in jener verhängnisvollen Nacht nicht sterben wollte, und irgendwie doch. Auch sagt er, dass er Stella seine Liebe nie gestand, aus Angst sie zu verlieren. Und er beginnt zu weinen. Waliko, der ihm geduldig zugehört hat, bittet ihn mit einer Geste darum, eine Flasche Wodka zu holen, dann murmelt der Alte einen langen Trinkspruch, den Adrian nicht versteht. Tamar erklärt ihm später, dass Waliko alles gesegnet hat – das was kommt und das was gegangen ist. Adrian schöpft plötzlich neue Hoffnung, weiß, er wird sich nicht unterkriegen lassen. Und er ist sich sicher, dass er nicht noch einmal aufgeben wird.

Kapitel 23

Es ist Frühling. Die Kälte ist verschwunden. Adrians Leben geht wieder voran. Er setzt sich zusammen mit Misses Elderly auf die Terrasse und unterhält sich, als plötzlich Stella erscheint. Sie gibt ihm ein Geschenk in Form eines Schulheftes, welches sie noch bis vor kurzem vollgeschrieben und aufwendig mit Bildern beklebt hat. Im Heft befinden sich Informationen über sämtliche Dinge in der ganzen Welt, die groß und lang sind, so wie er. Das Geschenk bringt Adrian gleichermaßen zum Lachen und Weinen. Er weiß jetzt, dass er die Traurigkeit über seine unerfüllte Liebe zu Stella nie ganz vergessen und verwinden wird, aber dass er mit diesem Schmerz auch leben kann. Irgendwie. Und er weiß, dass Stella ihn noch immer mag.

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