Der Steppenwolf (Hermann Hesse)

Inhaltsangabe

Der Steppenwolf erschien im Jahre 1927 als ein Roman von Hermann Hesse. Dieser schildert die Erlebnisse von Harry Haller, des Alter Egos von dem Verfasser. Die Ähnlichkeiten der Hauptfigur Hallers zu Hesse sowie zu Faust von Goethe werden in dem Text immer wieder angedeutet. So stimmen zum Beispiel die Initialen von Haller und Hesse überein.
Harry Haller leidet sehr an der Zerrissenheit der eigenen Persönlichkeit. Die menschliche und bürgerlich-angepasste Seite bekämpft sich und blockiert die künstlerische Entwicklung. Der Heilungsweg ist die Versöhnung der Seiten im Lachen, im Humor, über sich sowie das Ungenügen in Gesellschaft und Kultur. Mit der Darstellung der Wirklichkeit seitens des Humors werden Harry Halles weitere, in dem Roman nicht mehr geschriebenen Schritte auf seinem Weg zur künstlerischen Vollendung ermöglicht.
Harry Haller, die Hauptfigur, ist ein Mann von etwa fünfzig Jahren. Er lässt sich in einer großenStadt nieder, welche er vor Jahren schon besucht hatte. In dieser Zeitspanne überwindet er jedoch tiefe Depression und den Gesellschaftsekel durch den „Lernprozess“ unter der Anleitung neuer Freunde.
Das vorherige Leben der Hauptfigur wird nur kurz dargestellt. Harry Haller ist bürgerlich kultiviert aufgewachsen. Er hat einen Beruf mit Musik, Dichtung und Philosophie ausgeübt. Er ist als Autor der Bücher und Kenner Goethes und Mozarts hervorgetreten. Die pazifistischen Ansichten sind auch in der Öffentlichkeit weitgehend bekannt. Er hat mehrere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Hallers Vorstellungen von Glück sind durch wenige Freudenstunden bestimmt, in welchen er Erlebnis, Wonne, Ekstase und Erhebung durch die Dichtung oder die Musik erlebt hat. Dies sind Momente, in welchen er Gott an der Arbeit betrachtet hat. Haller sehnt sich nach einem Wiederfinden einer göttlichen und goldenen Spur, welche er durch die ihn bürgerliche Ordnung zerstört und verdeckt sieht. Die Teilhabe an der göttlichen Welt strebt er durch seine eigenen Werke an, welche ihm aber wegen seines Kampfes der beiden Seelen nicht gelingen.
Haller erlebt sich selbst als Steppenwolf, also als ein doppeltes Wesen. Als Mensch ist er ein Bildungsbürger, an vielen schönen Gedanken, an Musik und Philosophie interessiert. Er hat Geld und ist Anhänger der bürgerlichen Kultur. Als Wolf ist er jedoch ein vereinsamter Zweifler der bürgerlichen Gesellschaft und der Kultur, welcher sich für ein den Bürgern unbesiegtes Genie und auch politisch aktiven Revolutionär hält.
Haller entdeckt im weiteren Lebensweg eine Verbindung der Schicksalsschläge mit dem Gewinn an Einsicht und der Tiefe, gleichzeitig aber auch an Verzweiflung und Einsamkeit. Er überlegt einen Suizid, beschließt, ihn offenbar an seinem 50. Geburtstag ohne äußeren Anlass durchzuführen. Haller scheint zwischen den Zeiten, zwei Religionen und Kulturen eingeklemmt, von welchen die bürgerliche ihn mit Korruption, Langeweile und Kriegshetze, die Kultur aber durch Verzweiflung, Einsamkeit und das Leben des Steppenwolfs nicht minder erstickt.
In der Mitte dieses Romans trifft Haller in der Stadt des Aufenthalts die androgyne und verständnisvolle Hermine in einem Café, die ihn vage an einen Hermann, den sie früher kannte, erinnert. Hermine ist eine junge Frau und Prostituierte, welche sich damit durchschlägt, zu helfen und hiermit, ausgehalten zu werden. Für Harry Haller ist sie eine (Verführerin zu neuen Erfahrungen, wie dereinst Vergil für Dante. Hermine und Haller bezeichnen sich als Geschwister, Hermine selbst sieht sich als Wesensspiegel, der die Wünsche Hallers aufnimmt, eine Seelenverwandte.
Hermine besteht unbedingt darauf, dass Haller ihr gehorcht, und sie kündigt ihm bei dem ersten Rendezvous an, dass er sie einst töten werde. Sie scheint hierbei nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern auch das seine zu kennen und erklärt, dass beide zu den, echten, anspruchsvolleren und wirklichen Menschen gehörten.
Hermine legt Haller alsbald aus pädagogischen Gründen der Nachreifung Maria ins Bett. Sie ist eine schöne Kollegin Hermines. Harry Haller mietet für die Liebesspiele eine kleinere Wohnung und entdeckt mit zum ersten Mal körperliche Wonnen. Schon alsbald treibt es Haller jedoch über die neue Zufriedenheit hinaus und er sehnt sich nach einem neuen Leiden.
Haller besucht einen Maskenball, welcher in einem Gebäude mit vielen Korridoren, Sälen und Geschossen stattfindet. In diesem Getümmel findet er auch Hermine nicht, doch wird ein Hinweis auf das magische Theater zugesteckt, das am Morgen um vier Uhr in dem als Hölle verschönerten Kellergeschoss stattfindet. Auf diesem Weg trifft er Maria wieder die als ein Mann verkleidete Hermine, in der er seinen Freund Hermann erkennt und wieder hermaphroditischen Zauber hier erliegt. Hermine bzw. Hermann und Haller tanzen mit einem Mal als Nebenbuhler mit selbigen Frauen.
Haller kommen die hymnischen Verse über Unsterblichen in den Sinn. Hierbei tritt Mozart in die Loge und bedient sich eines Radios, um die Musik von Händel zu hören. Für Mozart ist dies nur ein Anlass zum Lächeln über diesen Kampf zwischen der göttlichen Idee und der profanen Erscheinung. Harry Haller muss nun das Lachen lernen, jenen Humor, der bislang immer Galgenhumor nannte. Für das Verbrechen der Ermordung Hermines wird Haller als Strafe eines ewigen Lebens und seines Ausgelachtwerdens missbilligt, weil er mit einem Messer gestochen habe. Haller ist jedoch optimistisch, das Spiel beim nächsten Mal optimaler spielen zu können.

Interpretation

Der Steppenwolf ist eine Kritik an der Gesellschaft und auch eine Persönlichkeitsanalyse, hatte auch einen wertvollen Anteil am Erfolg Hesses sowie an der Vergabedes Nobelpreises der Literatur im Jahre 1946. Das Werk löste die Renaissance des Autors in den 60er Jahren aus.
Der Stil und die Sprache sind wie die Kompositionsstruktur Romans von einem neurotischen Thema gekennzeichnet. In den drei Teilen gehen Sprache und Stil mit der Erzählperspektive einher. Die Heilung durch Humor und die Erkenntnis einer überzeitlichen und über persönlichen Glaubenswelt ist als Lebensperspektive zu betrachten.


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