Blackbird (Matthias Brandt)

Personenbeschreibung

Als der 15-jährige Morten Schumacher wird nur Motte genannt. Eines Tages bekommt er einen Anruf und von da an ist nichts mehr wie vorher in seinem Leben. Sein bester Freund Manfred, der Bogi genannt wird, ist plötzlich schwer krank. Dies jedoch ist nur eine der Erlebnisse in der Geschichte, die Mottes Leben gänzlich auf den Kopf stellen. Bald darauf fährt Jacqueline Schmiedebach, die auf das Einstein-Gymnasium geht, auf einem Hollandrad an Motte vorbei, und die nächste Aufregung nimmt ihren Lauf. Zwischen den beiden Drehpunkten, der Möglichkeit der Liebe und des Todes, spitzen sich die Ereignisse weiter zu und sie geraten nahezu außer Kontrolle und stellen Motte vor schmerzhafte und bislang unbekannte Herausforderungen. Zum richtigen Zeitpunkt aber sind die richtigen Menschen an Mottes Seite und unternehmen dabei das Richtige. Er selbst blickt den Dingen tapfer ins Gesicht, mit einem scharfen Blick und sehr viel Witz.
In diesem Buch geht es also um Morten, einen16-jährigen Teenager, welcher im Moment eine schwierige Zeit durchmacht. So trennen sich die Eltern, er muss umziehen, und zugleich ist sein bester Freund mit einem Mal im Krankenhaus und kämpft hier gegen die Krebsdiagnose. Zugleich verliebt er sich auch noch unglücklich, denn Mädchen in dem Alter sind oft sehr gemein.

Der Autor

Matthias Brandt wurde 1961 in Berlin geboren. Er ist ein Autor und Schauspieler. In den Achtzigerjahren gehörte er den Ensembles verschiedener Theater an, darunter denen der Schauspielhäuser Bochum und Zürich. Seit dem Jahre 2000 arbeitet er vor allem für Film und Fernsehen und ist hier, zum Teil mehrmals, mit vielen Branchenpreisen geehrte worden. Zu den bekanntesten Rollen der vergangenen Jahre gehörten jene des Kommissars Hanns von Meuffels in der Reihe „Polizeiruf 110“ und jene des August Benda aus der Serie „Babylon Berlin“. Brandt wurde als Sprecher zweimal mit dem Deutschen Hörbuchpreis geehrt. Seit mehreren Jahren ist er zusammen mit dem Musiker Jens Thomas mit dem improvisativen Musik- Wort-Collagen – zurzeit ´“Krankenakte Robert Schumann“ und „Psycho“ – auf Tour. Im Jahre 2016 erschien im Verlag Kiepenheuer & Witsch das Debüt, der Geschichtenband „Raumpatrouille“, 2019 der Roman „Blackbird“.
Der Coming-of-Age-Roman ist ein rückwärtsgerichteter Parcours durch jene Zeiten ohne Internet, Social Media und bildet das Lebensgefühl einer neuen Generation ab, welche noch analog sozialisiert gewesen ist. Jener Umstand macht einen Großteil des Charmes des Buches Blackbird aus, da der Autor autark das Zeitverhaftete an die vergänglichen Nöte Jugendlicher koppelt und von jugendlichen Köpfen im Ausnahmezustand erzählt, welche zu emotionalen Aufruhren neigen und auch zu Verhaltensweisen, welche für die Erwachsenen teils mystisch, oft unverständlich oder einfach nur nicht nachvollziehbar sind.

Die Hauptperson Motte

Morten, wird von allen nur Motte genannt und ist mit 15 Jahren inmitten der Pubertät. Diese fällt für ihn jedoch unschön aus. So muss er erleben, wie sich die eigenen Eltern trennen. Zugleich wird Bogi, der beste Freund, von einer schlimmen Krankheit heimgesucht. Ein schweres Krebsleiden zwingt ihn ins Krankenhaus und der Ausgang ist nicht gewiss.
Motte ist ein typischer Junge seiner Zeit, jener, der gern das Rauchen probieren möchte und hierfür die Mentholzigaretten der Mutter stiehlt und zugleich Zuflucht in den Songs von David Bowie sucht. Alle Erlebnisse, welche zum Älterwerden gehören, wie etwa Kiffen und Alkoholkonsum, kann er mit dem Freund Bogi nun nicht mehr gemeinsam erleben – dessen schwere Krankheit schlägt eine Schneise in das Leben der Jungen. Die Begegnungen mit dem besten Freund im Krankenhaus werden für Motte wahrlich zur Qual, welcher mit Bogis Erkrankung überfordert ist. Die eigene Strategie sorgt dabei für Ablenkung. Schließlich lässt Morten Bogi allein.

Für Morten ist der steinige Weg bis zum Erwachsenenwerden nicht nur aufgrund von Bogis Krankheit sehr schwer, sondern zugleich aufgrund der Trennung der Eltern, über welcher er nicht sprechen möchte. Für Motte ist der Auszug des Vaters angenehmer als die ständige Streiterei der Eltern. Doch es gibt einen Lichtblick in Mottes Leben. Dies ist die schöne Jacqueline Schmiedbach vom benachbarten Gymnasium, in welcher er sich über beide Ohren einfach verliebt hat.

Der Freund Manfred, genannt Bogi

Der Freund Manfred trägt den Spitznamen Bogi. Mit ihm hat Morten das erste Besäufnis geplant, aber der Freund muss nach einer Routineuntersuchung sofort ins Krankenhaus. Der Befund lautet nun Non-Hodgkin-Lymphome, Krebs. Knapp ein halbes Jahr später wird der Junge daran sterben müssen.
Bogi fragt sich, wie er das Unerträgliche nun verarbeiten soll. Für ihn ist es am besten, indem er den Schmerz über die Krankheit leugnet. So ignoriert er die eigene Hilflosigkeit. So funktioniert dies zuerst recht reibungslos, da schließlich sehr viel alltägliche Dinge passieren, die nicht nur Ablenkung darbringen, sondern außerordentlich wichtig sind. Für Bogi war der der Kauf der ersten Schallplatte und natürlich auch das erste gescheiterte Verliebtsein ebenfalls von Bedeutung.
Der Vater Bogis hält sich am Anfang mit genauen Informationen über Bogis Krankheit sehr zurück; Nachrichten zwischen den Freunden werden über die Erwachsenen auf Umwegen ausgetauscht. Als dann die Diagnose Non-Hodgkin-Syndrom gestellt wird, sieht sich der 15-Jährige immer mehr unter dem Druck. Bogis Leben scheint nun mit einem Mal stehengeblieben zu sein und er fragt sich, worüber er sich mit jemanden unterhalten, welcher nichts mehr erleben kann. Den Freund Motte scheint es am schwersten zu fallen, Bogi mit Alltäglichkeiten aufzuheitern. Er kann dies einfach nicht gut. Die Krankheit und das Krankenhaus ist für die beide Jungen eine hasserfüllte Welt, in welcher sie die Kontrolle über sich selbst abgeben müssen.
Mortens letzter Besuch bei Bogi gehört zu den berührendsten Szenarien des Werkes. Wie zu Anfang des Romans ist die Tonspur von besonderer Bedeutung und untermauert die Hilflosigkeit des Jungen angesichts seines todkranken Freundes. Mit einem Mal wird es still um Morten, als der Freund verstirbt. Die Zeit steht daher still. Im weiteren Verlauf der Gischichteverdichtet sich die Erkenntnis, dass das Dabei gewesene das weitere Leben Mottes prägen wird. Ihm wird bewusst, dass ihn die Traurigkeit über den Tod des Freundes nicht verlassen wird. Dass sich Motte dann dazu entschließt, nie wieder auch nur ein Wort zu reden, ist vor allem das Ergebnis seiner traumatischen Erfahrung des Verlustes und zugleich eine Konsequenz der Verständigungs- und Sprachkrise eines Adoleszenten. Erst am Schluss des Romans wird Motte zaghaft wieder zu sprechen beginnen.

Jacqueline Schmiedbach

Neben dem Interesse an Jacqueline Schmiedebach und der Peinlichkeit einer neuen Freundin seines Vaters sieht Motte sich verpflichtet, mit einem Mal wie ein Erwachsener für seinen schwerkranken Freund einfach nur da zu sein. In der idealistischen Erwartung, Motte könnte dies von einem Tag auf den anderen, ist die Hilflosigkeit der Erwachsenen, welche Bogis nahendem Tod genauso leichtsinnig gegenüberstehen.
Es tut besonders weh, wenn Motte neben Jacqueline Schmiedebach im Kino sitzt, der ersten Liebe, und sie küsst einen anderen Jungen.
Diese ganze Geschichte um Jacqueline entspinnt sich zu einer komisch-dramatischen Miniatur. Motte trifft sich mit Jacqueline am Kino, als er ihr einen Brief zukommen ließ, dessen Geschichte und Überarbeitung nicht nur erzählt, sondern zugleich typographisch im Buch abgebildet werden, was in aktuellen Zeiten digitaler Möglichkeiten einen sehr schönen Retro-Effekt beim Leser erzeugt. Bei einem Treffen läuft für Morten nichts wie geplant. So geht er normalerweise ins Kino entweder, weil er sich für den Film sehr interessiert oder weil es dunkel ist und der mit Jacqueline Sachen machen kann, die sonst nicht so gut sind. Die Atmosphäre im Kino ist für die beiden nun durch die Coming-of-Age- und Schmonzette des Fotographen Hamilton aus dem Jahr 1977 ein wenig erotisch beladen, was Mottes Aufregung steigert. Jacqueline bringt zu dem Treffen allerdings den Austauschschüler Callum mit, den sie – später im Saal küssen wird. Morten schämt sich daraufhin für seine Unternehmungen, Jacqueline näher zu kommen. Diese wirklichkeitsbezogene Erfahrung der Scham prägt Motte genauso wie die Krankheit des besten Freundes.

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