Herzsteine (Hanna Jansen)

Personenbeschreibungen

Sam
Sam ist die Hauptfigur des Buchs Herzsteine. Er ist das einzige Kind seiner Eltern. Seine Mutter Fe stammt aus Ruanda, sein Vater ist Deutscher. Er selbst hat eine bronzefarbene Haut, eine Mischung der Hautfarben seiner Eltern. Er liebt Wasser. In Hamburg war er im Schwimmverein, auf Sylt hat er ein Waveboard. Zudem fotografiert er gerne und hat ein „drittes Auge“, welches ihn die Welt anders wahrnehmen lässt. Er konzentriert sich dann auf Details.

Als Sam mit seinen Eltern von Hamburg nach Sylt zieht, ist er sehr traurig, dass er seine Heimat, seine Freunde und seinen Schwimmverein verlassen muss. Er redet sich ein, dass sie nur lange Ferien vor sich haben und geht davon aus, dass sie nach einem Jahr wieder nach Hamburg ziehen. Das Haus, in dem sie auf Sylt wohnen, fühlt sich für ihn nicht wie ein zu Hause an. Es ist zweckmäßig und unpersönlich.

Sam vermisst zunächst seine Freunde, hat sich jedoch Weihnachten bereits sehr von ihnen distanziert.

Auf Sylt lernt er seine Mitschülerin Enna kennen. Er verliebt sich in sie und die beiden werden ein Paar. Enna ist die Einzige, die weiß, wie es ihm geht und was er denkt. In Ennas Haus fühlt er sich trotz des Chaos sehr wohl. Es ist viel gemütlicher und wärmer als sein eigenes zu Hause.

Während seiner Zeit in Afrika vermisst er Enna sehr und schreibt ihr regelmäßig. Als er erfährt, dass sein Vater nach ihrer Rückkehr nach Hamburg zurückgehen möchte, wird Sam klar, dass er auf Sylt und bei Enna bleiben möchte. Zudem möchte er, dass sie ihre Beziehung endlich öffentlich machen. Ihm ist egal, was die anderen davon halten.

Sam leidet darunter, dass seine Mutter sich auf Sylt immer weiter zurückzieht. Er findet, dass sie sich mehr bemühen könnte, da sie immerhin wegen ihr auf die Insel gezogen sind. Was genau Fe hat, weiß Sam nicht genau.

Gerne würde Sam von ihr hören, dass sie ihn liebt und sie ihn in seiner Nähe haben will oder, dass sie ihm einmal eine Standpauke hält, so wie es die Mütter seiner Freunde machen.

Als Sam mit seinem Vater nach Runda fährt, ist er enttäuscht, dass Fe so abweisend ist und nicht mit ihnen in einem Hotel wohnt. Er ist eifersüchtig auf Jean-Claude, der sich gut mit seiner Mutter versteht und mit ihr zusammen wohnt.

Nach und nach lernt er das neue Leben seiner Mutter kennen. Zunächst kann er nicht verstehen, warum seine Mutter es sich antut, in dieser Armut zu leben. Als er mehr über ihre Vergangenheit und den Genozid erfährt, nähern sich die beiden ein wenig an.

Sam belastet es außerdem, dass er lange Zeit nicht weiß, ob seine Mutter nach dem Besuch von Sam und Luk mit nach Deutschland kommt. Als sie ihm mitteilt, dass sie in Ruanda bleiben wird, fühlt er sich leer. Er spricht seine Mutter darauf an, dass er bleiben könnte, da er von ihr hören will, dass er genau das tun soll.

Sams Verhältnis zu seinem Vater ist im Großen und Ganzen gut. Sie können sich zwar streiten, wie über die Tätigkeit von Ennas Mutter als Heilerin, aber als sie ein halbes Jahr alleine wohnen, kommen sie gut miteinander aus. Sam fällt es jedoch schwer, seinen Vater leiden zu sehen. Dies ist ein Grund, warum er nicht mit seinem Vater zurück nach Hamburg ziehen möchte.

Sam entdeckt, dass die Geschichte Ruandas auch seine Geschichte ist. Zudem stellt er zum ersten Mal infrage, wer er eigentlich ist. In Deutschland fällt er wegen seiner dunkleren Hautfarbe auf, in Ruanda wegen seiner helleren.

Sam ist ein hilfsbereiter Mensch. Er kann nicht verstehen, dass die Menschen sich in Ruanda nicht helfen, wenn auf offener Straße ein Unglück passiert oder jemand verprügelt wird. Auch für Enna kommt er in der Schule auf, als er findet, dass diese von ihrem Mitschülerinnen unfair behandelt wird.

Durch seine Reise nach Afrika scheint Sam sehr erwachsen zu werden.

Felicitas / Fe
Felicitas ist die Mutter von Sam. Sie stammt aus Ruanda und ist 16 Jahre vor der Handlung des Buches von dort geflohen. Ihre komplette Familie ist beim Völkermord in Ruanda ums Leben gekommen.

Sie hat drei Namen: Nkulikiyinka war ihr Name in Afrika und von ihrem Vater wurde sie Inyana genannt. Später wurde sie auf den Namen Felicitas getauft.

Meist wird sie Fe genannt. Ihr Mann nennt sie auch gerne Fee. Sie ist jünger als sie aussieht und unwahrscheinlich hübsch. Sie ist dunkelhäutig und hat kurzes krauses Haar. Sie kleidet sich stilvoll, meist farblich aufeinander abgestimmt und fällt in Deutschland auf. Sie hat eine leise und weiche Stimme und legt wert auf tadelloses Benehmen. Sie ist unnahbar, verschlossen, kühl und distanziert. Auch ihrem Mann Luk und ihrem Sohn Sam gegenüber.

Als Fe ein Kind war, war sie sehr wild und lebhaft. Sie hatte ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater und auch ihre Mutter und ihre Schwestern haben alles für sie getan. Als sie drei Jahre ist, stirbt ihr Vater im Zuge eines Militärputsches, bei dem Tausende getötet werden. Sie kann sich mit ihrer Mutter und ihren Schwestern bei einer Nachbarin verstecken.

Nach dem Putsch beginnt ihre Mutter bei einer weißen Familie zu arbeiten. Fe erlangt die Aufmerksamkeit von Elizabeth, der Frau des Hauses. Elizabeth beschäftigt sich mit Fe und diese wird so sehr gebildet. Darauf bildet sie sich viel ein. Als ihre Mutter und ihre Schwestern ihr den Besuch eines Gymnasiums ermöglichen, nimmt sie dies als selbstverständlich hin.

Als der Völkermord beginnt, sieht Fe leblose Menschen und zerstückelte Körper am Boden liegen. Sie schafft es, aus Ruanda zu fliehen. Sie verabschiedet sich jedoch nicht von ihrer Familie und lässt diese dort zurück.

In London findet sie einen Job und lernt Luk kennen, den sie kurz darauf heiratet. Sie bekommen einen gemeinsamen Sohn: Sam. Nach der Geburt ihres Sohnes ist Fe glücklich. Sie wird jedoch schon bald von ihrer Vergangenheit eingeholt und leidet an Albträumen.

Auch 16 Jahre später, zu der Zeit, in der das Buch spielt, geht es Fe nicht gut. Ihr Mann hofft, dass es ihr auf Sylt besser gehen wird. Deshalb ziehen sie dort hin. Aber auch dort tritt keine Besserung ein. Fe zieht sich immer mehr zurück, geht alleine spazieren oder schon tagsüber ins Bett. Nachdem sie eines Tages verschwunden ist, kommt sie am Abend zurück und hat beschlossen, nach Ruanda zu gehen.

In Ruanda lebt sie in ärmlichen Verhältnissen bei Mama Munyemana, die sie von früher kennt, und deren Enkel Jean-Claude. Diesen unterrichtet sie in Englisch. In Ruanda ist sie lebendiger und stärker als in Deutschland. Ihr neues Leben ist für sie eine Art Buße. Sie fühlt sich schuldig, dass sie ihre Familie mit ihrer Flucht im Stich gelassen hat und sich für etwas Besseres gehalten hat. Sie hat Probleme damit, dass sie überlebt hat und andere nicht. Die Geschehnisse rund um den Militärputsch bringt Fe lange Zeit nicht mit sich selbst in Verbindung und sieht sich selbst nicht als eine „solche“. Dass sie in den Augen anderer eine ist, die es nicht verdient hat zu leben, wird ihr erst später klar. Sie hört auf zu sein, wer sie einmal war. In Ruanda ist sie auf der Suche nach sich selbst.

Als Sam in Afrika ist, kann sie sich ein bisschen öffnen und ihm ihre Geschichte erzählen.

Sie geht nicht mit Sam und ihrem Mann nach Deutschland zurück, sondern bleibt in Afrika.

Trotz ihrer Distanziertheit liebt sie ihren Sohn. Sie macht sich Sorgen, als er von einer Welle unter Wasser gehalten wird oder wenn er in Afrika mit einem Mofataxi unterwegs ist.

Ihren Mann Luk hat sie wahrscheinlich nie geliebt. Vielleicht wäre sie dazu in der Lage gewesen, wenn ihre Vergangenheit eine andere gewesen wäre.

Luk
Luk ist der Vater von Sam. Er ist schmächtig, hat rostrote, lockige Haare, aber in der Mitte schon eine Glatze. Er ist über fünfzig und sechzehn Jahre älter als seine Frau Fe. Er hat Physik und Medizin studiert und ist Orthopäde. Er ist ein guter Arzt, hat aber Schwierigkeiten, sich mit den kleinen Wehwehchen der Inselbewohner zu beschäftigen. Von den Fähigkeiten einer Heilerin hält er nichts. Er ist klug, lieb und witzig und man kann sich auf ihn verlassen. Die meisten Dinge tut er mit Bedacht. Er liebt seine Frau über alles und zieht mit der ganzen Familie nach Sylt, in der Hoffnung, dass es ihr dort besser gehen wird. Zudem geht ein Licht in seinen Augen auf, wenn er seine Frau ansieht. Umso mehr leidet er darunter, dass er ihr nicht helfen kann und dass sie sich immer mehr zurückzieht. Als seine Frau ihm in Afrika mitteilt, dass sie nicht mit nach Deutschland zurückkehren wird, zieht er sich zurück und tritt eine Rundreise durch Ruanda an. Dass seine Ehe gescheitert ist, nimmt ihn sehr mit.

Enna
Enna ist eine Mitschülerin von Sam und wird seine Freundin. Sie ist zu Beginn des Schuljahres neu an der Schule. Im Gegensatz zu Sam wird sie von Anfang an ausgegrenzt, da ihre Mutter Helen Heilerin ist. Enna scheint wenig Probleme damit zu haben. Sie will jedoch nicht, dass Sam mit hineingezogen wird. Darum halten die beiden ihre Beziehung auf ihren Wunsch hin geheim. Zu ihrer Mutter, die sie schon zu vielen Umzügen gezwungen hat, hat sie ein gutes Verhältnis. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Enna wohnt mit ihrer Mutter in einem kleinen Bauernhaus. Sie haben viele Tiere, um die sich Enna kümmern muss.

Jean-Claude
Jean-Claude ist der Enkel von Mama Munyemana. Er hat ebenfalls seine Familie beim Genozid verloren und wegen des Völkermordes keine normale Kindheit gehabt. Er ist zwei Jahre älter als Sam und lang und dünn. Er spricht Englisch, da Fe ihn unterrichtet. Zunächst ist Jean-Claude Sam gegenüber reserviert, später freunden sich die beiden jedoch an. Durch ihn lernt Sam eine Menge darüber, wie man sich in Ruanda zu verhalten hat. Jean-Claude ist immer hilfsbereit, freundlich und manchmal witzig. Aber gleichzeitig ist er auch abgedreht und von oben herab, als ob er über allem steht. Dies merkt Sam vor allem in der Gedenkstätte. Dort ist die Miene von Jean-Claude ausdruckslos und er ist undurchschaubar. Trotzdem verstehen die beiden sich gut und planen ein Treffen in Deutschland.

Peter
Peter ist ein Studienfreund von Luk. Er ist Orthopäde auf Sylt. Er geht für ein Jahr ins Ausland, da er das Abenteuer sucht. Luk vertritt ihn in dieser Zeit. Er ist zehn Jahre jünger als Luk, attraktiv, groß und sportlich. Er ist braun gebrannt und hat makellose Zähne.

Jan und Olli
Jan und Olli sind die besten Freunde von Sam in Hamburg. Die drei sind schon seit dem Kindergarten befreundet und teilen alles miteinander. Durch den Umzug von Sam sind nur noch Jan und Olli zusammen, Sam muss alles im Alleingang machen. Bereits zu Weihnachten haben sie sich voneinander distanziert und Sam erzählt ihnen nicht von Enna, da es sich wie Verrat anfühlen würde.

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